Studium: Finanzierung & Förderung

26 Apr

Von Marcel Bohnensteffen

70 Prozent der Eltern können nicht für das Studium ihrer Kinder aufkommen, hat das Deutsche Studentenwerk errechnet – Tendenz steigend. Um die Hochschule ihrer Wahl zu besuchen, müssen Studenten alternative Geldhähne anzapfen. Zum Beispiel BAföG oder Stipendien. Crosswords erklärt, woher die Kohle fürs Studium kommt.

BAföG, das etwas andere Konjunkturpaket

Qualitative Ausbildung soll nicht am Geld scheitern. Zumindest nicht in einer Wirtschaftsnation wie Deutschland. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) stellt sicher, dass junge Menschen ein Studium absolvieren können, das ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Die Finanzierung übernimmt zu Teilen der Staat.

In den Genuss der staatlichen Finanzspritze kommen Studenten, die während der Ausbildung weder eigenständig noch mit Hilfe der Eltern ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Förderbedürftige sollten folgende Fragen klären:

Wann habe ich Anspruch auf BAföG?

Der Anspruch auf staatliche Ausbildungsförderung hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Staatsangehörigkeit, Eignung und Alter. Wie jedem deutschen Bürger steht ausländischen Staatsangehörigen, die ein Studium anstreben, BAföG zu, sofern sie seit mindestens vier Jahren in Deutschland leben und in Besitz einer gültigen Aufenthaltsgenehmigung sind. Grundsätzlich muss jeder Student für seine Studienrichtung geeignet sein und seine Leistungen müssen erwarten lassen, dass das Ausbildungsziel innerhalb der Regelstudienzeit erreicht wird. Gefördert werden können nur diejenigen Studenten, die bei Beginn des Studiums nicht älter als 30 Jahre sind (beim Bachelor). Bei Master-Studenten liegt die Altershöchstgrenze bei 35 Jahren.

Mit wie viel Geld kann ich rechnen?

Die BAföG-Leistungen erfolgen nach persönlichem Bedarf. Darunter versteht der Gesetzgeber die Geldsumme, die der Student für seinen Lebensunterhalt (Ernährung, Unterkunft, Bekleidung u.a.) und seine Ausbildung (Lehrbücher, Fahrtkosten zur Hochschule etc.) benötigt. Der BAföG-Höchstsatz ist im vergangenen Jahr auf 670 Euro pro Monat angehoben worden. Hiervon abgerechnet wird das persönliche Einkommen und Vermögen des Studenten sowie das Einkommen seines Ehegatten bzw. das seiner Eltern. Das BAföG ist somit »familienabhängig«.

Das persönliche Einkommen eines Studenten kann allerdings nicht mit üblichen Brutto- oder Netto-Einkommen gleichgesetzt werden. Studenten an Hochschulen etwa dürfen in Nebenjobs bis zu 400 Euro monatlich verdienen, ohne dass dieser Betrag auf ihr Einkommen angerechnet wird. Maßgeblich für sie ist daher der Begriff »Einkommen im Sinne des BAföG«.

Die Internet-Plattform Studis-Online.de bietet einen BAföG-Rechner, der sämtliche Freibeträge und Bedarfssätze ermittelt. Wer seine BAföG-Leistung selbst einschätzen will, muss folgende Faustregel beachten:

Persönlicher BedarfEinkommen des Studenten im Sinne des BAföGEinkommen des Ehegatten und der Eltern = staatlicher Förderbetrag.

Wie lange wird mein Studium gefördert?

Laut Gesetz wird nur die erste Ausbildung staatlich bezuschusst. Bei Studiengängen ist BAföG daher lange Zeit bis auf wenige Ausnahmen nur bis zum Ende der Regelstudienzeit gewährt worden. Mit der Umstellung auf Bachelor und Master-Studiengänge ist dieser Passus gelockert worden. Somit kommen mittlerweile auch Master-Studenten in den Genuss der Förderleistung. Da ein Master-Studiengang jedoch als Zweitausbildung gilt, kann er nur dann gefördert werden, wenn er auf dem abgeschlossenen Bachelor-Studium aufbaut. Studenten, die zum Zeitpunkt der Aufnahme des Masters-Studiums das 30. Lebensjahr vollendet haben, steht kein BAföG mehr zu.

Wo stelle ich meinen Antrag?

Anträge auf BAföG-Zahlungen nimmt das Amt für Ausbildungsförderung entgegen. Vermittler für Studenten ist das Studentenwerk der Hochschule, an dem sie eingeschrieben sind. Antragsteller sollten folgendes beachten: Die Förderleistungen werden in der Regel nur für ein Jahr gewährt und müssen dann neu beantragt werden. BAföG-Gelder werden frühestens vom Beginn des Antragsmonats und nicht rückwirkend gezahlt. Ein Student, der sein Studium zum Wintersemester (Oktober) aufnimmt, seinen BAföG-Antrag aber erst im November stellt, erhält seine Ausbildungsförderung erst ab November.

In welchem Zeitraum muss ich das Geld zurückzahlen?

Studenten erhalten BAföG in der Regel zur Hälfte als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, und zur Hälfte als zinsloses staatliches Darlehen. Dessen Tilgung beginnt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer (im Bachelor-/Master-System bezieht sich die Zeitspanne auf das Bachelor-Studium). Sie erfolgt in vierteljährlichen Raten in Höhe von mindestens 315 Euro.

Für das Darlehen wird ein Teilerlass gewährt, wenn die Ausbildung besonders früh abgeschlossen wurde. Absolventen, die zu den besten 30 Prozent ihres Studiengangs gehören, wird bis Ende 2012 ein Teilerlass von 25 Prozent gewährt, wenn die Abschlussprüfung innerhalb der Regelstudienzeit bestanden worden ist.

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen BAföG nur als Bankdarlehen gewährt wird, das vollständig mit Zinsen zurückzuzahlen ist (etwa bei längerem Studium oder nach einem Fachwechsel).

 

Stipendium: Talent als berufliches Sprungbrett

Stipendien fördern die »Bildungselite« – dieser Makel ist abgehalftert. Zwei Pionieren sei dank. Die Stipendienprogramme des Landes Nordrhein-Westfalen und der Region Ostwestfalen-Lippe richten sich an alle Talente.

Finanzielle Unterstützung und individuelle Förderung talentierter Nachwuchskräfte: Das sind die Kernkompetenzen von Stipendien. Während BAföG nach Bedürftigkeit gezahlt wird, belohnen Stipendien Begabung. Sie müssen nicht zurückgezahlt werden.

So gesehen, leben Studenten in Bielefeld und Umgebung in einer wahren Goldgrube. Mit der Kombination aus dem »NRW-Stipendienprogramm« und der »Stiftung Studienfonds OWL« finden sie vor Ort ein effizientes und leistungsstarkes Förderangebot vor.

NRW-Stipendienprogramm – was ist das?

Nordrhein-Westfalen besitzt die dichteste Hochschullandschaft in Europa. Um seine Talente in Zukunft besser zu unterstützen, hat das Land ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das begabten Menschen den Zugang zur Hochschule ebnen soll – mit Unterstützung der Wirtschaft.

Das NRW-Stipendienprogramm wird zur Hälfte aus privaten und öffentlichen Mitteln finanziert. Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen gehen in Vorleistung und stellen Fördergelder von 150 Euro pro Monat für die Stipendienvergabe bereit. Auf diese Weise akquiriert die Wirtschaft frühzeitig potentielle Nachwuchskräfte, unterstützt deren Ausbildungsweg, um später von ihrem fachlichen Know-how zu profitieren.

Das Land NRW stockt die Summe nochmals um 150 Euro auf, sodass sich jedes Stipendium auf monatlich 300 beläuft. Die Einsammlung der Fördergelder und die Vergabe der Stipendien übernehmen die Hochschulen. Jährlich werden so circa 1200 begabte junge Menschen individuell gefördert.

An welchen Hochschulen können Studenten ich ein solches Stipendium erhalten?

Das Stipendienprogramm gilt für alle Universitäten in öffentlicher Trägerschaft sowie an den staatlichen Kunst- und Musikhochschulen in Nordrhein-Westfalen. Jedes Stipendium wird mindestens für zwei Semester und maximal für die Regelstudienzeit gezahlt.

Alternativ zum NRW-Stipendienprogramm können sich private Hochschulen, die nicht zum Teilnehmer-Pool zählen, am neu eingeführten »Deutschland-Stipendium« beteiligen. Dieses fördert seit dem diesjährigen Sommersemester Studienanfänger, deren Werdegang herausragende Leistungen im Studium und späteren Berufsleben erwarten lassen – zur Hälfte aus staatlichen Geldern, zur anderen Hälfte aus Mitteln privater Stifter. Bis zu 160 000 Studenten (acht Prozent aller Hochschulstudenten in Deutschland) sollen künftig in den Genuss dieser Förderung kommen, so der Plan der Bundesregierung.

Welche Voraussetzungen müssen Antragsteller erfüllen?

Das Stipendium richtet sich an alle Studenten, deren bisheriger Werdegang besonders gute Studienleistungen erwarten lassen. Das Auswahlverfahren nimmt die jeweilige Hochschule vor. Im Gegensatz zu BAföG findet keine Überprüfung der Einkommensverhältnisse statt.
Stipendiaten sind verpflichtet, während des Förderzeitraums an einer Leistungsüberprüfung teilzunehmen. Entspricht diese Überprüfung nicht den Erwartungen, dann wird das Stipendium beendet.

Ich erhalte bereits BAföG. Habe ich trotzdem Chancen auf ein Stipendium?

Ja, denn die privaten Mittel der Förderleistungen (also die Hälfte des 300 Euro-Stipendiums) werden nicht auf die BAföG-Leistungen angerechnet. Der staatliche Anteil fließt dagegen in vollem Umfang in die BAföG-Rechnung ein.

Stiftung Studienfonds OWL – was ist das?

Diese Stiftung ist ein Kooperationsprojekt zwischen fünf staatlichen Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe. Beteiligt sind die Universitäten Bielefeld und Paderborn, die Fachhochschule Bielefeld und die Hochschule OWL sowie die Hochschule für Musik in Detmold.

Durch die Akquirierung von Spendengeldern aus regionalen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen sowie von Privatpersonen sollen Studenten mit herausragenden Fähigkeiten und besonderen Bedürfnissen in Form von Stipendien gefördert werden.

Gleichzeitig soll Stipendiaten der spätere Berufseinstieg erleichtert werden, in dem sie frühzeitig Kontakt zu Unternehmen in der Region aufbauen können. Langfristiges Ziel ist es, den Hochschul- und Wirtschaftsstandort OWL durch den Aufbau eines Netzwerkes zwischen Förderern und Geförderten zu stärken.

Was bekomme ich als Stipendiat?

Die »Stiftung Studienfonds OWL« basiert auf zwei Förderarten: der finanziellen und der ideellen Förderung. Der finanzielle Rahmen des Stipendiums beträgt 1000 Euro pro Jahr. Stipendiaten können aber auch bis zu 300 Euro monatlich (3600 Euro pro Jahr) erhalten, wenn sie zusätzlich durch das »NRW-Stipendienprogramm« bezuschusst werden. Diese Förderhöhe ist jedoch an regelmäßige Leistungsnachweise geknüpft.

Zur ideellen Förderung zählen Angebote wie Fachvorträge, Bewerbungstraining, Firmenbesichtigung, und Unternehmergespräche. Sie sollen zur Persönlichkeitsentwicklung und Jobfindung des Studenten beitragen.

Wer kann sich bewerben?

Als mögliche Bewerber auf das Stipendium kommen alle Studenten infrage, die an einer der fünf zum Studienfonds gehörenden Hochschulen im Erststudium eingeschrieben sind oder dort in naher Zukunft eines anstreben. Entscheidend für die Vergabe der Stipendien ist ausschließlich die Schulleistung.
Die Bewerbung ist über ein Online-Formular im Internet unter http://www.studienfonds-owl.de einzureichen. Dort sind auch weitere Informationen bereitgestellt. Das Bewerbungsverfahren für die Vergabe von Stipendien zum Wintersemester 2011/12 endet am 30. April 2011.

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2 Antworten to “Studium: Finanzierung & Förderung”

  1. Adm.Polli 29. April 2011 um 18:42 #

    „Studenten, die zum Zeitpunkt der Aufnahme des Masters-Studiums das 30. Lebensjahr vollendet haben, steht kein BAföG mehr zu.“
    Stimmt seit bereits Herbst 2010 nicht mehr, siehe: http://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/master.php

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  1. Fünf Hinweise für das Ausfüllen des BAföG Antrags - 2. August 2011

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